Team Fahrrad!
Das ist irgendwie wieder so ein Streitthema, und ich verstehe nicht ganz, warum. Radfahren mit Hund kann auch im Sommer super sein, solange man sein Gehirn benutzt und nicht nur die Pedale. Die allgemeine Ablehnung und Verurteilung dazu sind mir ehrlich gesagt ein bisschen fremd.
Auch ich habe diesen Nachbarn, der auf dem Radweg an der großen Straße lang fährt. Und wenn ich nicht wüsste, dass er diese Strecke nur einen Kilometer lang macht, um dann in den Wald zum See abzubiegen, würde ich nur jemanden sehen, der in der Sommerhitze an der Straße entlangfährt. Der Hund ist das ganze Jahr über am Rad unterwegs und bestens im Training.
Ich kenne Hunde, die machen standardmäßig ihre zwanzig Kilometer, und wenn sie im Sommer mal eine Vier-Kilometer-Runde drehen, dann ist das für sie immer noch Urlaub, auch wenn es heiß ist.
Ich weiß nichts über die ganze Strecke, über den Fitnessstand des Hundes und darüber, wo er welche Pausen macht.
Und jetzt kommt es: Ich muss es auch nicht wissen!
Es ist nämlich nicht ausschlaggebend, was ich sehe, wer wo fährt. Es ist ausschlaggebend, ob der Hund überhitzt ist. Und das sehe ich nicht an Formeln oder Vorstellungen, sondern das sehe ich konkret und direkt am Hund.
Natürlich hecheln Hunde am Rad. Das allein sagt mir nichts.
Wenn ich wissen möchte, ob das hier gerade ok ist oder nicht mehr, dann habe ich folgende Parameter:
• Ist die Zunge des Hundes beim Hecheln lang und flach, baumelt herunter?
Wunderbar! Dann ist er entspannt und reguliert nur seine Temperatur.
• Ist die Zunge schmal, wird vorne breit und rollt sich nach oben?
Blöd! Dann hat er Schwierigkeiten, genug frische Luft zu bekommen.
• Hat der Hund klare Augen mit entspannten Augenlidern?
Hervorragend, das bedeutet, dass alles richtig ist.
• Hat der Hund glasige Augen, die ins Leere starren?
Schlecht! So sollten entspannte Augen nicht aussehen.
• Läuft der Hund mit entspannter Rute auf Halbmast und federnden Schritten?
Fein! Beim richtigen Tempo trabt der Hund entspannt und lässt sich ein bisschen hängen.
• Ist der Hund in Anspannung und starr, tippelt hektisch und benutzt mehr Muskeln, als er bräuchte, um einfach zu laufen?
Kann ok sein, wenn es kurzfristig ist und eine Ablenkung gibt. Insgesamt sollte ein zufriedener Hund aber sehr locker und „schlabberig“ traben.
• Ist die Atemfrequenz des Hundes schneller als 150 Atemzüge pro Minute bei einem mittelgroßen Hund?
Hinschauen! Das ist kurzfristig ok, aber hier kann man die anderen Punkte nochmal beachten. Die Atemfrequenz in Ruhe liegt bei 10-30 Zügen, je nach Körpergröße und „Chillfaktor“ des Hundes. Beim Laufen sind es schon mal 100 bis 300 Züge die Minute, wobei Letzteres wirklich für eine große Anstrengung spricht.
• Atmet der Hund schnell, aber für seine Größe in einer normalen Frequenz?
Wunderbar! Das zeigt, dass alles ok ist.
Das sind nur die groben Richtwerte. Aber wenn die alle stimmen und das Ganze ein rundes Bild gibt, dann hat man doch recht eindeutige Hinweise darüber, ob es noch ok ist mit dem Laufen.
Natürlich sind Rasse und Alter ebenfalls wichtige Punkte, aber manch ein alter Hund ist noch sehr fit, und einige Fellarten isolieren auch gegen Hitze, auch wenn sie erst mal nicht so aussehen. Es bleibt also dabei, dass man sich den Hund situativ ansehen muss, um es zu bewerten, und Pauschalurteile nicht funktionieren.
Übrigens, falls ihr euch mal gefragt habt, ob man wirklich mit dem Handrücken auf der Straße messen kann, ob der Asphalt zu heiß ist: Nein!
Hundefüße und Handrücken sind etwa so unterschiedlich wie eine Kondomhülle und ein Treckerreifen.
Und auch unter Hunden gibt es extreme Unterschiede in der Dicke der Hornhautsohlen. Das Alter und wie viel der Hund läuft, die Rasse und der übliche Untergrund, auf dem der Hund unterwegs ist, ergeben völlig verschiedene Ausgangslagen, sodass man nicht von einem Hund auf den anderen schließen kann.
Um zu sehen, was die Füße sagen, muss also jede*r die Pfoten seines Hundes hochheben, nachfühlen und sie mit denen anderer Hunde vergleichen, um zu wissen, wie es aussieht.
Ich persönlich fahre mit meinen Hunden auch im Sommer Fahrrad, angepasst an das Wetter. Wenn es extrem heiß ist, habe ich selbst gar keine Lust. Ansonsten lasse ich die Hunde das Tempo vorgeben und orientiere mich an ihnen. Ich wähle die Strecken so, dass wir im Schatten und auf dem Waldboden unterwegs sind. Ich plane Pausen am Wasser ein, wo die Hunde trinken und auch baden können.
Und ich behalte sie gut im Blick und schau mir genau an, wie sie aussehen und ob sie noch können und Spaß haben.