Weihnachten Wurst und Silvester Likörchen

Jedes Jahr dasselbe.
Fiffi wird 12 Monate lang das auf 200Grad erhitzte, totsterilisierte Fertigfutter unter die Nase geschoben, hinterher noch ein leckeres Schweineohr aus chinesischer Fabrikation, durcherhitzt bis zum Ende, eingeölt mit Aroma und Farbstoffen, bis die sprichwörtliche Schwarte kracht.
Aber wehe, weeeehe es spricht einer von Eierlikör, um Silvester selig beduselt zu schlafen.
Alkohol für Hunde? Unfassbar, Leberversagen, sofort!
Drogen für Fiffies Seelenheil? Niemals, dann doch lieber ein paar harmlose Tabletten vom Tierarzt mit ... äääh ... Drogen drin.
Muss man wirklich jedes Mal, wenn darüber gesprochen oder geschrieben wird dazu schreiben, dass es selbstverständlich nicht darum geht, zwei Liter Eierlikör mit einem Plastiktrichter in den Hund zu schieben, oder dass der Welpe eventuell nicht gleich prophylaktisch mit Alkohol ruhig gestellt werden muss, nur weil 2,5 Vollidioten auf dieser Welt tatsächlich sowas täten?
Glaubt denn wirklich jeder im Internet, dass er der einzige Mensch auf dieser Erde ist, der denken kann?
Ich persönlich finde diesen Trend furchtbar.
Die Statistiken zu immer mehr Warnschildchen in der Welt sind sehr aussagekräftig. Ständige Warnungen und Bevormundungen machen nichts sicherer, sondern Menschen dümmer.
Wer selbst denken soll, der muss eben auch die Chance bekommen, selbst zu denken.
In diesem Fall kommen dabei Hunde heraus, die in der Silvesternacht Todesangst erleiden, weil Frauchen es nicht verantworten kann, zwei Esslöffel Eierlikör zu geben.
Nicht dass der Hund noch belastet wird.
Ich bin ein riesiger Freund von Eierlikör.
Hurra! und Prost! auf dieses ekelhafte Getränk, dass genau in der Hundehaltung seine einzige Daseinsberechtigung erwirkt.
Genau wie jede Tablette, jedes Medikament muss auch der Eierlikör vorsichtig angewendet werden.
Genau wie alles, was der Tierarzt geben kann, gibt es die Chance auf eine seltene Unverträglichkeit, Überempfindlichkeit oder paradoxe Wirkung.
Ja, so ist das, das Leben ist gefährlich.
Mehr als Ausprobieren und mit gesundem Menschenverstand herantasten, ob es dem Hund gut tut, kann also niemand.
Die Statistik sieht aber wahnsinnig gut aus und ist meiner Ansicht nach ein guter Grund, es auszuprobieren. Denn siehe da, fast alle Hunde mögen Eierlikör gerne, werden dadurch sehr flauschig im Kopf, ganz entspannt und machen genau eine Sache mit tiefer Inbrunst: Schlafen.
Dazu ein bisschen Musik, heruntergelassene Gardinen und ein kuscheliges Nest zum Zurückziehen und schon kann der Silvesterabend kommen.
Und bevor es jedes Jahr schlimmer und schlimmer wird, kann dem Hund eventuell sogar ganz viel Stress und Angst erspart bleiben.
Wer sich traut, der trinkt den Rest der Flasche dann selbst aus.
- Dieser Text darf gerne geteilt werden. Dabei bleiben alle Rechte bei der Autorin (Maren Grote, Lotte-Hundetraining). Änderungen oder kommerzielle Nutzungen sind untersagt. -
Dosierungen zur Anwendung von Eierlikör findest Du im Internet.